Kunstturnen Medienmitteilung 09. Oktober 2026
Marco Pfyl beendet seine Spitzensportkarriere
Die Schweizer Meisterschaften in Winterthur vom 3. und 4. Oktober bildeten den letzten Wettkampfauftritt von Marco Pfyl. Seinen Karriereabschluss bestritt er am Reck, seinem Paradegerät, wo er mit einer hervorragenden Übung, perfekter Landung und der Tageshöchstnote am Gerät nochmals ein sportliches Ausrufezeichen setzte.
Marco Pfyl begann seine sportliche Karriere beim STV Pfäffikon-Freienbach und wechselte 2007 ins Regionale Leistungszentrum Zürich nach Rümlang. Zehn Jahre später erfolgte der Übertritt nach Magglingen. Seit 2017 gehörte Marco dem Schweizer Nationalkader an und entwickelte sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil der Schweizer Kunstturn-Equipe.
Bereits im Nachwuchs machte Pfyl auf sich aufmerksam. 2009 gewann er an den Schweizer Meisterschaften der Junioren den Mehrkampftitel im Programm 3. 2014 qualifizierte er sich für die Youth Olympic Games in Nanjing (CHN), wo er im Mehrkampf den 13. Rang und am Barren den starken fünften Rang erreichte. Im selben Jahr gehörte er bei den Junioren-Europameisterschaften in Sofia zum Schweizer Team, das den vierten Rang belegte.
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Abschluss an der SM 2026 |
SM Junioren 2009 |
Junioren-EM 2014 in Sofia |
Erfolgreicher Schritt in die Elite
Auch nach dem Übergang in die Elite setzte Pfyl seine erfolgreiche Laufbahn fort. 2019 vertrat er die Schweiz an den European Games in Minsk (BLR) und klassierte sich im Mehrkampf auf dem 11. Rang.
Ein besonderer Höhepunkt folgte 2021 an der Heim-Europameisterschaft in Basel. Bei seiner ersten EM bei der Elite zeigte Marco an seinen Spezialgeräten zwei hervorragende Übungen und turnte sich damit mitten in die europäische Spitze. Am Reck erreichte er den sechsten Rang, am Barren wurde er Achter. An beiden Geräten hätte diese Klassierung für den Einzug in den Gerätefinal gereicht. Aufgrund der Nationenregel, wonach pro Nation maximal zwei Turner pro Gerät im Final antreten dürfen, blieb ihm der Finaleinzug jedoch verwehrt. An beiden Geräten klassierte er sich hinter seinen Schweizer Teamkollegen Pablo Brägger und Christian Baumann. Ein Jahr später bestätigte Pfyl seine starke Form. An den Europameisterschaften 2022 in München gehörte er zum Schweizer Team, das den hervorragenden vierten Rang erreichte. Am Reck verpasste er den Gerätefinal als Neunter wiederum nur knapp.
Immer wieder zurückgekämpft
Seit 2022 musste Marco Pfyl wiederholt verletzungsbedingte Rückschläge hinnehmen. 2022 zwang ihn eine Knieverletzung zu einer längeren Pause, wodurch er eine mögliche Teilnahme an den Weltmeisterschaften verpasste. 2023 erreichte er an den World University Games in Chengdu (CHN) mit dem Schweizer Team den achten Rang. Eine Verletzung verhinderte anschliessend die Teilnahme an der WM-Selektion und damit auch an den Weltmeisterschaften 2023.
Nach der verpassten Olympiaqualifikation 2024 setzte er sich erstmals intensiv mit der Frage auseinander, ob und wie er seine Karriere fortsetzen möchte. Er entschied sich für einen weiteren Anlauf – und wurde dafür belohnt. 2025 qualifizierte er sich an seinen beiden Spezialgeräten zum ersten Mal für die Weltmeisterschaften.
Der Erfolg gab ihm neue Motivation. Für 2026 nahm Pfyl das Training an vier Geräten wieder auf, um seine Chancen auf weitere Grossanlässe zu erhöhen. Doch die körperliche Belastung wurde zunehmend zum limitierenden Faktor. Schulter- und Rückenprobleme verhinderten immer wieder eine konsequente Wettkampfvorbereitung. Als die schwierigen Tage die guten zu überwiegen begannen, reifte der Entscheid zum Rücktritt.
«Die WM-Qualifikation 2025 hat mir nochmals einen enormen Motivationsschub gegeben. Ich wollte es noch einmal wissen. Gleichzeitig musste ich in diesem Jahr akzeptieren, dass mein Körper die Belastungen nicht mehr so mitmacht, wie es für den Spitzensport nötig wäre. Ich bin stolz auf den Weg, den ich gegangen bin, auch wenn ich nicht alle meine hochgesteckten Ziele erreicht habe. Dass ich meine Leidenschaft während so vieler Jahre leben durfte, bedeutet mir enorm viel», sagt Marco Pfyl.
Der Entscheid bedeutet für ihn gleichzeitig den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Im Sommer 2027 möchte er sein Studium an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) abschliessen. Dem Turnsport wird er verbunden bleiben. Bei seinem Heimverein STV Pfäffikon-Freienbach ist er bereits seit zwei Jahren in die Barrensektion integriert.
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SMM 2016 |
EM 2021 in Basel |
WM 2025 in Jakarta |
Was bleibt
Wenn Marco Pfyl auf seine Karriere zurückblickt, sind es nicht nur die grossen Wettkämpfe und Resultate, die bleiben. Einer seiner prägendsten Momente liegt weit zurück: das erste Mal als junger Athlet das Dress mit dem Schweizerkreuz auf der Brust zu tragen.
Ebenso wichtig sind für ihn die Jahre mit seinen Teamkollegen. Trainingslager, Wettkampfreisen und der gemeinsame Alltag in der Halle haben Freundschaften entstehen lassen. Obwohl Kunstturnen ein Einzelsport ist, erlebte Marco Pfyl die Nationalmannschaft als Team: Man fordert und pusht sich gegenseitig, feiert Erfolge zusammen und geht gemeinsam durch schwierige Phasen.
Text: Chantal Rüegg / STV







